Na dann eben zu zweit oder viert….

Ausgrenzung und Frust unter Kita-Kindern. Autorin Andrea Behnke rüttelt an der zähen Frust-Fassade und deckt kindliche Konflikte sachlich auf. Welche Strategie kann sie zur Lösung des Konfliktes liefern,… wenn man doch das fünfte Rad am Wagen ist?

Die Dickste Freundschaft muss nicht immer Rückhalt gewähren, diese Erkenntnis macht Lulu, Teil des Dreiergespanns mit Fiete und Neda. Unzertrennlich sind sie – bis zu dem Morgen an dem Lulu nicht mehr mitspielen darf. Die Ausgegrenzte ist frustriert und entzürnt sich an diversen „Pärchen“ im Alltag die ihr nun um so stärker bewusst werden. Wie gut, dass ein weiteres Kind ihren Frust bemerkt…

Ein schön bunt gestalteter Einband und charmante Kinderdarstellungen machen Lust aufs Lesen. Ob die Cover-Innenseite mit vier Kinderköpfen schon Lösung des Dilemmas vorwegnimmt?

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Die Gesten und die Mimik der Akteure sind eindeutig und selbsterklärend: Neda gíbt den Ton an und Fiete zieht ergeben mit – der Dreierverbund löst sich trotz Lulus mutiger Frage „Darf ich auch (mit) kommen?“ in zwei glücklich spielende und ein trauriges Kind auf. Lulu ist missmutig und versucht sich mit bewährten Strategien zu helfen. Interpretationsvorschläge des Vorlesers sind überflüssig: die Charaktere der Figuren sind gestalterisch eindeutig umgesetzt.

Die bunten Zeichnungen leben von einer klaren Linie und von liebevollen Details (Kuscheltiere). Sie bilden die Kinder zeitgerecht ab. Der Wechsel zwischen großformatigen Bildern und Detailblicken lockert gestalterisch auf und lenkt den Focus des guckenden Zuhörers.

„Nein, wir spielen heute Zwillinge. Das geht nur zu zweit.“ …“Nur zu Zweit.“

Der (Vor-)Leser darf sich über eine zeitgemässe Sprache freuen. Der Schwierigkeitsgrad der Texte ist angemessen. Wiederholungen und Alliterationen machen ganz klar, wo der Fokus liegt. Dennoch lässt sich der Text flüssig lesen und lässt Spielraum für eigene Intonation oder Kommentare – Er ist lebendig.

Andrea Behnke will mit ihren Texten „Neugier wecken. Aufrütteln. Motivieren. Informieren. Erklären. Erzählen. Bilder malen. Spaß machen.“ Die freiberufliche Autorin verknüpft für Lernmedien und Texte für Institutionen Sachthemen rund um Familie, Gesundheit und Nachhaltigkeit mit Literatur zu Geschichten. Sie scheut auch nicht Themen wie Migration, Konflikte oder Tod in Angriff zu nehmen.

In diesem Werk schafft sie es, das kritische Thema Ausgrenzung auch für Kitakinder nachfühlbar und ohne erhobenen Zeigefinger darzustellen. Das Thema empfinde ich als Buch-Vorauswählerin spannend und passend. Die Aufbereitung erscheint mir altersgerecht.

Die Autorin bestätigt mit diesem Buch aus meiner Sicht ihre berufliche Zielsetzung: soziales Thema sachlich innerhalb einer in sich geschlossenen Geschichte umfassend, eindeutig und frei von Diskriminierung bearbeitet. Nachfragen? Keine!

Mein Bücherkind (5), selbst Mitglied einer 5er-Kindergarten-Kombo mit gelegentlichen Ausgrenzungsvorkommnissen ist vom Buch nur mäßig begeistert. Die Darstellungen gefallen ihr gut, sie kann sich mit der Protagonistin identifizieren und die Geschichte knüpft an ihre eigenen Erfahrungen an. Ihr Kommentar dennoch: „Na dann eben zu zweit oder viert….“

„Aber wer fährt schon Dreirad…“ 

Mir selbst (37) fehlt jenseits der gefälligen Darstellungen und zweckmäßigen Texte ein augenzwinkernder Kommentar für großen Enthusiasmus.

„Ene, mene, Maus, und du bist raus“ halten wir für ein grundsolides und zeichnerisch charmant in einer Geschichte dargestelltes Thema – jedoch ohne Begeisterungsfaktor.

Diese Rezension erschien zuerst auf buecherkinder.de

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Bibliografie

Text: Andrea Behnke
Illustration: Tanja Husmann
Titel: Ene, mene, Maus, und du bist raus
Art: Hardcover im Format 212 x 287 mm
Umfang: 32 Seiten
Alter: ab 3 Jahre
Verlag: Kerle in Herder
erschienen am: 15. Juni 2015
ISBN: 9783451713330
Preis: 12,99€

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